Alchemie & Philosophie · Die Sprache der Alchemie, Teil 7 von 8 · 3. Oktober 2026 · Charlotte Himsworth
Der Rebis und die Hochzeit von Sonne und Mond
Gegensätze vereint: das Bild der Alchemisten für Ganzheit.
Viele alchemistische Bilder zeigen einen König und eine Königin oder eine Sonne und einen Mond, die sich in einer heiligen Hochzeit vereinen. Die Frucht ihrer Verbindung wird oft als Rebis dargestellt, vom lateinischen res bina, „doppeltes Ding“: eine einzige gekrönte Gestalt, die beides in sich vereint.
Sol und Luna
Die Sonne, Sol, steht für das aktive, strahlende, bewusste Prinzip; der Mond, Luna, für das empfangende, spiegelnde, intuitive. Keines ist besser. Das Werk braucht beide.
Die alchemistische Hochzeit
Emblembücher des 16. Jahrhunderts wie das Rosarium Philosophorum (1550) erzählen die Geschichte in Bildern: die Begegnung, die Vereinigung, das Sterben der alten Formen und die Geburt von etwas Neuem und Ganzem.
Das Prinzip des Geschlechts
Das hermetische Prinzip des Geschlechts beschreibt genau diese Partnerschaft in jedem Menschen: das Aktive und das Empfangende, das Wählen und das Zulassen. Ganzheit entsteht, wenn beide zusammenwirken, statt miteinander zu konkurrieren.
Eine Praxis
Frag dich: „Wo in meinem Leben bin ich ganz Sonne und dränge voran – oder ganz Mond und warte ab?“ Wähle einen kleinen Schritt, der das andere dazuholt.